Internationalisierung / Interim Management · 2026-10-26

Internationalisierung Schweizer KMU 2026: Die Exportstimmung trägt, der Markteintritt braucht Führung auf Zeit – warum Interim Management den Unterschied macht

Von Dipl.-Ing. Massimiliano Moreni ·

Die Exportstimmung der Schweizer KMU liegt laut S-GE bei 64,4 Punkten, doch 61 Prozent leiden unter dem starken Franken und der Blick richtet sich auf neue Märkte wie Indien, wo seit Oktober 2025 das Abkommen EFTA–Indien gilt. Markteintritte scheitern im Mittelstand selten am Produkt, sondern an fehlender Führung, Struktur und Steuerung – genau hier setzt Interim Management an.

Kurz gefasst

Schweizer KMU blicken vorsichtig positiv auf den Export (S-GE-Index 64,4 Punkte, 2. Halbjahr 2026), diversifizieren aber unter dem Druck des starken Frankens (61 Prozent) in neue Märkte, vor allem in Asien. Damit ein Markteintritt gelingt, braucht es eine verantwortliche Führungskraft auf Zeit, eine saubere Struktur vor Ort und Meilensteine für den Verwaltungsrat: Interim Management liefert alle drei in den ersten 100 Tagen.

Internationalisierung ist für Schweizer KMU 2026 keine Vertriebsfrage mehr, sondern eine Führungsfrage. Die Exportstimmung ist robust, doch die Märkte, in denen das Wachstum der nächsten fünf Jahre entsteht, verlangen etwas, das die meisten mittelständischen Exporteure nicht im Haus haben: eine erfahrene Führungskraft, die einen Markteintritt verantwortet – mit Struktur, Budget und einem klaren Endpunkt. Wer dafür auf den Exportleiter neben dem Tagesgeschäft setzt, verliert genau die Zeit, die der Wettbewerb nutzt.

Die Zahlen zeigen Zuversicht – und Druck zugleich. Laut der KMU-Exportstimmung von Switzerland Global Enterprise (S-GE) für das 2. Halbjahr 2026 liegt der Index bei 64,4 Punkten, leicht über den 63,5 Punkten zu Jahresbeginn und klar über der Wachstumsschwelle von 50. Rund jedes zweite der etwa 200 befragten KMU erwartet steigende Exporte in den nächsten sechs Monaten. Gleichzeitig nennen 61 Prozent den starken Franken als Belastung, mehr als zwei Drittel geben an, negativ vom Nahost-Konflikt betroffen zu sein, und Energiepreise sowie Lieferketten sind als Risiko deutlich nach oben gerückt.

Die Antwort der Unternehmen heisst Diversifikation. Die Firmen reagieren mit Preisanpassungen, Lieferkettenumbau und der Erschliessung neuer Märkte. Deutschland bleibt mit Abstand das wichtigste Zielland, die USA der wichtigste aussereuropäische Markt – und 40 Prozent der Befragten können sich eine stärkere lokale Präsenz in den USA vorstellen, mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Für neue Märkte richtet sich der Blick vor allem nach Asien: Indien, Südkorea und Japan. Indien ist dabei kein abstraktes Ziel mehr: Seit dem 1. Oktober 2025 ist das Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen EFTA–Indien in Kraft. Laut SECO erhalten 94,7 Prozent der bisherigen Schweizer Exporte nach Indien (ohne Gold) verbesserten Marktzugang; die jährlichen Zolleinsparungen werden nach Ablauf der Übergangsfristen auf bis zu rund 167 Millionen Franken geschätzt.

Warum Markteintritte im Mittelstand scheitern. Selten am Produkt. Meist an drei Führungslücken: Erstens fehlt eine Person mit Mandat und Zeit – der Markteintritt läuft als Nebenprojekt der Geschäftsleitung. Zweitens fehlt die Struktur vor Ort: Gesellschaftsform, Partnermodell, Verrechnungspreise, Steuer- und Zollfragen werden erst gelöst, wenn die ersten Aufträge da sind. Drittens fehlt die Steuerung: Der Verwaltungsrat sieht Kosten, aber keine Meilensteine, an denen er entscheiden kann, ob er weiter investiert oder stoppt. Das Ergebnis sind Märkte, die jahrelang halb bearbeitet werden – zu teuer, um sie zu ignorieren, zu klein, um sie zu rechtfertigen.

USA und Asien verlangen unterschiedliche Antworten. Die USA sind für viele Schweizer KMU ein bekannter Markt, der jetzt eine andere Form der Präsenz verlangt: lokale Wertschöpfung, eigene Gesellschaft, Service vor Ort. Das ist ein Struktur- und Kapitalthema. Asien, und besonders Indien, ist für die meisten ein neuer Markt: Hier geht es zuerst um Marktverständnis, Partnerwahl und Ursprungsnachweise, damit die Zollvorteile des Abkommens auch tatsächlich genutzt werden. Wer beide Wege mit demselben Rezept geht, verliert Zeit auf beiden. Die Führungsaufgabe besteht darin, für jeden Markt das passende Modell zu wählen und die knappen Ressourcen des Hauses bewusst zu verteilen – nicht gleichmässig, sondern dort, wo der Business Case am stärksten ist.

Interim Management als Hebel für den Markteintritt. Hier liegt der Wert von Führungskräften auf Zeit. Ein Interim Manager mit Internationalisierungserfahrung bringt in Wochen, was intern Jahre dauert: ein belastbares Marktmodell, das passende Eintrittsvehikel, ein Netz aus Partnern und Beratern und vor allem die Verantwortung für das Ergebnis. Er baut die Einheit auf, übergibt sie an eine lokale oder interne Führung und verlässt das Unternehmen wieder – ohne dass eine dauerhafte Stelle auf Konzernebene entsteht, die ein KMU nicht tragen kann.

Der Rahmen: fünf Entscheidungen in 100 Tagen. Erstens Marktpriorität: ein Markt, nicht drei – ausgewählt nach Nachfrage, Zugang (etwa über Freihandelsabkommen) und eigener Lieferfähigkeit. Zweitens Eintrittsmodell: Distributor, Joint Venture, eigene Gesellschaft oder Akquisition, mit offener Abwägung von Kapitalbedarf und Kontrolle. Drittens Struktur: Gesellschaft, Governance der Tochter, Verrechnungspreise, Ursprungsregeln und Zollpräferenzen, Währungsabsicherung. Viertens Führung: wer den Markt verantwortet – zunächst auf Zeit, mit definiertem Übergabeplan. Fünftens Steuerung: drei bis fünf Meilensteine, an denen Verwaltungsrat oder Beirat über weitere Mittel entscheidet. Diese fünf Entscheidungen gehören in die ersten 100 Tage, nicht ins dritte Jahr.

Was das für Verwaltungsrat und Inhaber bedeutet. Internationalisierung ist eine Kapitalallokationsentscheidung und gehört auf die Traktandenliste des Gremiums, nicht nur in den Vertrieb. Ein Verwaltungsrat oder Beirat sollte für jeden neuen Markt einen Business Case mit Abbruchkriterien verlangen, eine klar benannte Verantwortung und ein Reporting, das Fortschritt in Kunden, Marge und Kapitalbindung misst – nicht in Reisetagen. Gerade bei einem starken Franken ist die Frage nicht, ob man im Ausland wächst, sondern ob man es mit der Disziplin tut, die man im Heimmarkt selbstverständlich verlangt.

Die Risiken ehrlich mitdenken. Geopolitische Unsicherheit, schwankende Energiepreise und eine unberechenbare Zollpolitik bleiben Realität. Das spricht nicht gegen neue Märkte, sondern für ein Vorgehen in Stufen: zuerst validieren, dann investieren, dann skalieren. Ein Interim-Mandat mit klarem Endpunkt ist dafür das passende Instrument, weil es Kosten und Bindung begrenzt und jederzeit eine bewusste Entscheidung erlaubt – weitermachen, umsteuern oder aussteigen.

Wie Krymax interveniert. Krymax Studio begleitet Schweizer KMU, Familienunternehmen und Mid-Market-Unternehmen im DACH-Raum bei der Internationalisierung – in Europa, im Nahen Osten und darüber hinaus. Wir übernehmen Interim- und Fractional-Mandate als CEO, COO oder Leiter Internationalisierung auf Zeit, priorisieren den Zielmarkt, wählen und strukturieren das Eintrittsvehikel und bauen die Governance der neuen Einheit auf – inklusive Meilensteinen für Verwaltungsrat und Beirat. Ziel ist eine Auslandseinheit, die nach dem Mandat eigenständig geführt, finanziert und gesteuert werden kann. Mit Schweizer Sorgfalt und der gebotenen Diskretion.

Die Exportstimmung gibt Schweizer KMU 2026 den Rückenwind – den Markteintritt muss trotzdem jemand führen. Wer neue Märkte mit einer Führungskraft auf Zeit, einer klaren Struktur und harten Meilensteinen angeht, wächst kontrolliert. Wer sie nebenbei bearbeitet, finanziert die Lernkurve der Konkurrenz.

Häufige Fragen

Wie ist die Exportstimmung der Schweizer KMU 2026?

Laut Switzerland Global Enterprise liegt der Index für das 2. Halbjahr 2026 bei 64,4 Punkten (Jahresbeginn: 63,5) und damit über der Wachstumsschwelle von 50; rund jedes zweite KMU erwartet steigende Exporte. Grösste Belastung bleibt der starke Franken, den 61 Prozent nennen.

Welche neuen Märkte sind für Schweizer KMU attraktiv?

Neben Deutschland und den USA richtet sich der Blick laut S-GE vor allem auf Asien – Indien, Südkorea und Japan. Für Indien gilt seit dem 1. Oktober 2025 das Abkommen EFTA–Indien, das laut SECO 94,7 Prozent der bisherigen Schweizer Exporte (ohne Gold) verbesserten Marktzugang verschafft.

Was leistet Interim Management bei der Internationalisierung?

Eine Führungskraft auf Zeit verantwortet den Markteintritt mit klarem Mandat: Sie priorisiert den Zielmarkt, wählt und strukturiert das Eintrittsmodell, baut die lokale Einheit auf, definiert Meilensteine für Verwaltungsrat oder Beirat und übergibt die Einheit anschliessend an eine dauerhafte Führung.

Quellen

Switzerland Global Enterprise (S-GE): KMU-Exportstimmung 2. Halbjahr 2026, Medienmitteilung vom 30. Juni 2026 (Panel von rund 200 Schweizer KMU) · SECO: Freihandelsabkommen mit Indien tritt am 1. Oktober 2025 in Kraft, Medienmitteilung vom 3. September 2025 · EFTA: Trade and Economic Partnership Agreement EFTA–India, in Kraft seit 1. Oktober 2025